Arovane

Arovane is Uwe Zahn, a Berlin based electronic musician and sound designer. He is best known the juxtaposition of warm melodies with meticulously processed beat work. His most notable albums and EPs were released by City Centre Offices (Ulrich Schnauss, Porn Sword Tobacco) and DIN (Pole, Monolake) between 2000-2004. Zahn's previous album 'Lilies' (2004) featured the closing song "good bye forever". It seemed a not so cryptically titled exit from all things Arovane. But Zahn's been quietly creating music during this self-induced hibernation and has reemerged almost as if no time had passed. In the Fall of 2013 the n5MD imprint will release an all new Arovane album titled "ve palor" in addition to the remastered reissue of the Cycliph EP.

 

Seine erste MPC (MPC 2000 XL) kaufte sich Arovane aka Uwe Zahn bereits 2002. Es folgten unterschiedliche Modelle wie MPC500, 3000 und 4000. Aktuell finden sich MPC Renaissance und MPC Studio in seinem Setup.

 

 

Arovane im Interview mit Akai Pro
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1. Nach “Lilies” ist dein neues Album “Ve Palor” jüngst auf dem Label n5MD erschienen.  Hat sich deine Produktionsweise in dieser Zeit verändert?

Viel Zeit liegt zwischen den beiden Alben, „Lilies“ und „Ve Palor“. In dieser Zeit hat sich die Musiktechnik weiterentwickelt und damit auch meine Produktionsweise.  Bei der Komposition von „Lilies“ stand das Sampling im Vordergrund, die Arbeit mit einem Hardware Sequencer – Yamaha QY700, kombiniert mit Field Recordings und dem Mixdown am Analogmischpult – Tascam 2600. Die Tracks wurden zum Teil auf einem DAT Recorder aufgezeichnet oder im Fostex D80- 8 Spur Hard Disk Recorder.

Auf „Ve Palor“ sind Tracks von 2003 zu hören, die ich für DIN produziert habe, sowie neue Produktionen.

Essentiell für meine Produktionsweise und die Umsetzung meiner musikalischen Ideen ist der direkte Zugriff auf mehrere Parameter gleichzeitig. Das erklärt meine Vorliebe für Hardware, Regler, Potis, Schalter. Die Haptik, die optische Kontrolle und der direkte Zugriff auf alle Parameter in der Produktion ermöglichen einen optimalen Arbeitsfluss. 2003 integrierte ich ein Kyma Capybara System in mein Studio. Das DSP Monster konnte ich mit motorisierten Fadern einer Faderbox steuern. Eine ideale Kombination von Soft- und Hardware.

Hersteller und Entwickler von Musikinstrumenten haben diesen Aspekt des spontanen Zugriffs erkannt und umgesetzt. Hardware Controller wie die MPC Renaissance und Studio, sowie Push ermöglichen in meinem Studio den direkten Zugriff und die Editierung paralleler Prozesse in der Komposition meiner Musik.

Insofern hat sich meine Produktionsweise mehr in Richtung Software verschoben. Live9 ersetzt den Hard Disk Recorder und wird gesteuert durch Push. Das Beatprogramming läuft über die MPC Controller und der Yamaha Sequencer läuft zur Midiclock von Live und steuert alle Hardwaresynthesizer und Sampler. Die perfekte Integration von Hard- und Software.

 

2. Welches Equipment setzt du momentan ein?

Das leitet wunderbar zu Deiner nächsten Frage über. Neben einer ganzen Reihe von Hardwareklangerzeugern wie dem Waldorf Q und Microwave XT, Clavia Nord Rack2, Nord Modular G2, Kawai K5000s, Access Virus Indigo2 und TI2, EMU E4XT Ultra, EMU e5000, EMU Vintage pro, Korg Wavestation, sowie Outboardequipment wie dem TC Fireworx, Alesis Wedge eine Audiopatchbay, ein Tascam DA 20 MKII DAT Recorder, befinden sich  der Yamaha Sequenzer QY700 im Einsatz.

Auf der Softwareseite läuft Ableton Live9 auf einem iMac 2,4 Ghz Intel Core 2 Duo und einem Macbook Pro 2,4 Ghz Intel Core i7. Als VST's kommen Native Instruments' Absynth5, Reaktor5, Massive, U-He's Zebra2, MFN2, Madrona Labs Aalto,  und Effeckt Plugins von INA GRM, M4L, Little Endian's SpectrumWorx,  Sugar Bytes, Tornado and Effectrix und AudioSpillages' Drum Spillage. Zum Einsatz. Die Instrumenthybriden MPC Renaissance sowie Studio und Native Instruments Maschine MKII sind die Beatmeister. Als Controller setze ich Push zur Steuerung von Live9 ein sowie ein Akai Max 49 Keyboard.

Audio wird von einem Komplete Audio 6 Audiointerface, von Native Instruments gewandelt, das mit dem Tascam Mischpult verbunden ist. Die Studio Monitore sind MonkeyBanana's. Ja, die heißen wirklich so!

 

3. Wie siehst du die technische Entwicklung der MPCs hin zu einem hybriden Ansatz (Computer-gestütztes System)?

Sehr gut! Das hybride Konzept ermöglicht eine große Flexibilität hinsichtlich der zukünftigen Softwareentwicklung. Ich sehe ein großes Potential im MPC OS. Ich war erst ein wenig skeptisch, was die Integration von Soft- und Hardware anbetrifft, weil ich eine längere Zeit mit der Hardwareversion der MPC gearbeitet habe. Die Umsetzung der neuen MPC Generation hat mich aber komplett überzeugt. Der Umstieg von der „alten“ MPC zum neuen Konzept war nahtlos. Ich kann in kürzester Zeit Beats/ Sounds Sampeln, Schneiden, auf die Pads legen, spielen und editieren. Die Entwicklung geht für meine Begriffe genau in die richtige Richtung. Ich kann mir sehr gut eine Erweiterung der Software mit einer modularen Funktionalität vorstellen. 2-3 LFO's deren Frequenz bis in den Audiobereich reichen, eine zusätzliche  Hüllkurve, Einbindung der internen und externen Effekte/VST's  usw. und die Steuerung aller Parameter mit einer Modulationsmatrix. Die Slots der Matrix liegen auf den Q-Links. Eine Berührung der kapazitiven Q's und die Verknüpfung ist 'verdrahtet'. Ein drehen des Dials verändert die Modulationsstärke. Eine elegante und intelligente Erweiterung des MPC Konzeptes.


4. Wie nutzt  du die MPC Renaissance im Studio?

Die Renaissance ist der Beatmeister in meinem Studio. FM Patches aus dem Nord Modular G2 liefern Perkussives Material zum Sampeln, Slicen und Arrangieren. Sounds Sampeln, Ideen umsetzen, Beats Programmieren geht schnell wie der Blitz. Ich nutze die Filter und die Modulationsmöglichkeiten exzessiv um Klänge zu formen, binde VST's ein, öffne die MPC in Live9 und lege mit der Produktion los. Beat/ Bass oder Melodiestrukturen resampeln, neu Arrangieren, das alles geht wie geschmiert.


…wie live?

Live nutze ich die „Studio“ Version der MPC. Flach, sehr leicht, mit einem Mobilrechner in einer Tasche zu transportieren. Schnell aufgebaut, kann es innerhalb von Minuten losgehen mit dem Live Set. In Verbindung mit den Möglichkeiten eigene MIDI Mappings mit dem MIDI Mode des 1.5er OS zu konfigurieren ist die MPC das Schweizer Taschenmesser unter den Controllern.


5. Worauf legst du bei einem Instrument Wert?

Ich bin sehr kritisch bei der Auswahl meiner Instrumente. Ich lege großen Wert auf die mechanische Qualität der Bauteile. Regler und Potis müssen mit dem Gehäuse verschraubt sein, weich laufen. Das Gehäuse muss stabil sein, Audio/USB Ein- und Ausgänge müssen von guter, mechanischer Qualität sein, Displays Scharf und Kontrastreich. Neben diesen technischen Aspekten spielt natürlich auch die Haptik der Hardware und das Erscheinungsbild der Software eine große Rolle. Ist die Bedienung durchdacht, das Interface übersichtlich, logisch aufgebaut und konsistent? Wie klingt es? Wenn mich ein System in meinem kreativen Schaffen unterstützt, ist es gekauft.


6. Deine Produktionen zeichnen sich durch ihr detailliertes Sound Design aus. Hast du bestimmte Tricks mit der MPC, die du verraten möchtest?

Es steckt sehr viel kreatives Potential in der MPC. Ein interessanter Trick ist eine Adaption eines Modular G2 Patches. In diesem Patch wird die Taktrate eines Sequenzers in den Audiobereich gefahren. Aus einer kleinen Sequenz entsteht eine Wellenform. In der MPC nutze ich ein kurzes Sample, nehme mit der niedrigsten BPM Zahl eine Sequenz auf und fahre das System in den obersten BPM Bereich. Es entstehen mit zusätzlicher Modulation der Filter, des LFO's und der Verschiebung des Samplestartpunktes Klänge, die der Granular Synthese vergleichbar sind! Alles steuerbar mit den Q-Links Und dabei sind die internen Effekte der MPC oder VST's noch nicht im Spiel.


7. Wie entstehen neue Tracks bei dir? Sind im Laufe der Zeit bestimmte Muster entstanden?

Ich schalte das Studio ein, improvisiere mit ein paar Synthesizer Sounds, nehme diese im Sequenzer auf und baue so meine Tracks auf. Inspiration können Samples sein oder Field Recordings. Manchmal gehe ich gezielt los und zeichne Naturklänge auf, übertrage sie in den Computer und forme sie mit diversen Synthesemethoden. Manchmal sind es auch konkrete Klangideen die ich umsetze oder Beatstrukturen. Feste Muster gibt es nicht aber es entsteht ein bestimmter Klang mit Wiedererkennungswert.


8. Aus welchen Quellen schöpfst du deine Samples?

Ich nutze alle Klangquellen für meine Samples. Im Sommer habe ich 1,3 Gigabyte Klangmaterial in einem verlassenen Garten gesammelt. Alte, verrostete Maschinen, große Metallbottiche, Metallhaufen, fantastisches Klangmaterial. Damit speise ich Native Instruments' Absynth und forme mit den Granular Oszillatoren bizarre Klangwelten, sample diese in der MPC oder dem EMU und bearbeite dieses Material dort weiter. Auch der Clavia Modular G2 ist eine wunderbare Klangquelle. Seine modularen Synthesemöglichkeiten liefern unendlich viel Klangmaterial. Samples kommen auch aus diversen Softwareplattformen und VST's. Mit Little Endians Spectrumworx lassen sich gezielte Klangformungen vornehmen. Sehr interessant sind auch die neuen Spectrum Efx in M4L. Der TC Fireworx bietet mit den flexiblen Effektverkettungen enorme Klangmanipulationen für Samples. Ich kann mit diesen Werkzeugen  Basisklänge in jede Richtung formen und mich von den Ergebnissen inspirieren lassen.


9. Ein Blick in die Zukunft; Wie werden wir in 15 Jahren Musik machen?

Ich denke wir werden weiterhin Hardware benutzen, um Musik zu machen. Bestes Beispiel ist das Revival der Modularsynthesizer. Menschen lieben es, Dinge anzufassen und sinnlich zu erfahren. Dabei stehe ich der Entwicklung von neuen Interfaces sehr offen gegenüber. Es wird Druckempfindliche Displays geben, die dem Musiker ein haptisches Feedback geben können, Systeme die eng mit dem Benutzer kommunizieren wie zB. Google Glass.

1980 sah ich einen Musiker, der mit sogenannten DataGloves eine Batterie von FM Synthesizern steuerte, Michel Waizfish. Bewegung im Raum und Klangformung verschmolzen zu einem faszinierendem Erlebnis. Ein zukunftsweisendes Livekonzept.

Das Studio, wird mobiler, modular und steuerbar mit Controllern die in Interaktion mit dem Benutzer stehen. Ein System wie das iPad von Apple ist ein gutes Beispiel, wie Computertechnologie den Instrumentenmarkt beleben und Musikern Neue Möglichkeiten der Steuerung und der Produktion von Musik an die Hand geben kann.


10. Wie sieht deine Zukunft aus? Was erwartet uns in nächster Zeit von Arovane?

Ein neues Album ist in der Produktion und verschiedene Kollaborationen formen sich. Diverse Live Konzerte inklusive visueller Umsetzung sind weltweit für 2014 geplant. Neben meiner Tätigkeit als Musiker erweitere ich mein Spektrum um den Bereich des Sound Designs. Klänge waren seit Anfang an der Motor meines kreativen Schaffens. Der Übergang von Klangdesign und Musikproduktion ist fließend.

Es bestehen Kontakte zu diversen Herstellern von Synthesizern und Softwarefirmen die ich noch ausbauen möchte um Presets/Soundpacks für neue Produkte zu kreieren. Auf Zero-G erscheint ein Samplepack mit Arovane Signature Sounds.


Vielen Dank für das Interview

 

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